Beleuchtung im Supermarkt: Dahinter steckt ein raffinierter Trick

Beleuchtung im Supermarkt: Dahinter steckt ein raffinierter Trick
Beim Einkaufen fällt es oft nicht auf, aber im Supermarkt inszeniert Licht jedes Regal wie eine kleine Bühne. Fleisch glüht unter rötlichem Schein. Brot leuchtet golden, und Fisch wirkt unter kühlem Weiß besonders klar. Diese Effekte entstehen nicht zufällig, sondern durch gezielt gewählte Lichtfarben und Farbtemperaturen.
Lichtplaner sprechen von Farbtemperatur, gemessen in Kelvin, und vom Farbwiedergabeindex, kurz CRI. Warmes Licht mit niedrigen Kelvinwerten lässt Farben golden und gemütlich wirken. Kühleres Licht mit höheren Kelvinwerten sorgt für Klarheit und Frische. Beide Werte zusammen entscheiden, wie appetitlich eine Ware im Regal erscheint.
📌 Das steckt noch hinter dem Supermarkt-Licht
An manchen Fleisch- und Wursttheken kommt Licht mit nur rund 1.900 Kelvin zum Einsatz, deutlich wärmer als das übliche Raumlicht mit 2.700 bis 3.000 Kelvin.
Für ein sattes Rot bei Tomaten oder Äpfeln reicht ein hoher Farbwiedergabeindex allein nicht aus, entscheidend ist zusätzlich ein hoher sogenannter R9-Wert.
Supermarktregale gliedern sich in Sicht-, Greif-, Bück- und Reckzone. Auf Augenhöhe stehen dabei meist die Produkte mit der größten Gewinnspanne.
Mit „Human Centric Lighting“ passt sich Ladenlicht sogar dem menschlichen Biorhythmus im Tagesverlauf an.
Kühltheken lassen sich bei moderner LED-Technik oft alle 30 Zentimeter einzeln in Lichtfarbe und Helligkeit anpassen.
Deshalb leuchtet die Fleischtheke rot
An der Fleischtheke fällt oft ein warmes, rötliches Licht auf die Ware. Es lässt mageres Rindfleisch oder Hackfleisch satter und frischer erscheinen, als es tatsächlich ist. Manche Lichtplaner setzen dafür sogar extrem niedrige Farbtemperaturen von unter 2000 Kelvin ein. Der Effekt wirkt subtil, beeinflusst die Kaufentscheidung aber spürbar.
Silke Schwartau, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, kennt diesen Trick: „Die Kniffe werden immer ausgeklügelter“, sagte sie gegenüber dem „Hamburger Abendblatt„. Wer sichergehen will, wie frisch die Ware wirklich ist, prüft die Fleischfarbe deshalb am besten bei Tageslicht.
Welches Licht lässt Brot appetitlich wirken?
Auch die Backwarenabteilung profitiert von einem Beleuchtungstrick. Brot und Brötchen enthalten von Natur aus gelbliche und bräunliche Farbtöne. Warmes Licht mit einer Farbtemperatur um 2700 Kelvin hebt genau diese Krustenfarbe hervor. Das Gebäck wirkt dadurch frisch gebacken, selbst wenn es schon einige Stunden im Regal liegt.
Bei Fisch gilt die entgegengesetzte Regel. Kühleres, klareres Licht lässt Filets und Meeresfrüchte appetitlicher und hygienischer wirken als warmes Licht. Wie eine Fachseite für Lichtplanung erklärte, sollte bei Fischtheken warmes Licht bewusst vermieden werden. Käse wiederum profitiert von gelblich-orangen Tönen, die seine natürliche Farbe betonen.
So stark beeinflusst Licht das Kaufverhalten
Farbiges Licht wirkt nicht nur an einzelnen Theken, sondern im gesamten Markt. Die Verbraucherzentrale hält fest: „Durch gefärbtes Licht erscheinen Lebensmittel frischer, farbenfroher und qualitativ hochwertig.“ Genau deshalb setzen Handelsketten Licht gezielt als Verkaufsargument ein. Für Kunden bleibt der Effekt meist unsichtbar, er wirkt aber trotzdem.
Neben der Farbe spielt auch die Platzierung von Lichtquellen eine Rolle. Akzentspots lenken den Blick gezielt auf Aktionsware oder besonders margenstarke Produkte. Regalenden und Aufsteller werden oft stärker ausgeleuchtet als der restliche Gang. So bleibt kaum ein Blick zufällig, jede Lichtquelle verfolgt einen Zweck.
Am Ende hilft vor allem gesunder Zweifel gegenüber der eigenen Wahrnehmung. Wer Fleisch, Fisch oder Käse in der Nähe eines Fensters oder draußen im Tageslicht betrachtet, sieht die wahre Farbe. Das kostet nur wenige Sekunden, verhindert aber manchen Fehlkauf. So verwandelt sich ein cleverer Marketingtrick wieder in eine bewusste Kaufentscheidung. Supermärkte stehen gerade stark unter Druck, das ist die Konkurrenz.